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Intern
    Romanistik

    Forschung

    Forschungsprofil Literatur/-Kulturwissenschaft

    Die Forschungsschwerpunkte in der Romanistischen Literatur - und Kulturwissenschaft an der JMU Würzburg reichen von der französischen Mediävistik über den spanischen Roman des 19. Jahrhunderts, das lateinamerikanische Kino und die zeitgenössische italienische Literatur bis hin zur Fernsehtheorie des 21. Jahrhunderts. Ein besonderer Fokus liegt auf interdisziplinären und transkulturellen Zugängen zu literarischen Texten. Die Methoden orientieren sich dabei an den klassischen Schulen und Theorien der Literaturwissenschaft, umfassen jedoch ebenso innovative Forschungsansätze aus den Digital Humanities, den Film- und Medienwissenschaften sowie den Postcolonial Studies.

    Laufende Projekte

    Narragonien digital
    Bild der Homepage

    Das am 1.10.2014 im Rahmen des KALLIMACHOS-Projekts gestartete Teilprojekt Narragonien digital will die Textualität, Medialität und Überlieferungsgeschichte des Narrenschiffs in einer digitalen Edition abbilden. Die geplante synoptische Präsentation in der Online-Edition zielt darauf ab, das komplexe Seitenlayout der Narrenbücher in seiner Intermedialität zu veranschaulichen, die historischen Text-, Bild- und Layouttransformationen zu dokumentieren und die geschichtliche Eigenbewegung des Narrenschiffs im 15. Jahrhundert editorisch abzubilden.

    Projektleitung: Prof. Dr. Brigitte Burrichter, Prof. Dr. Joachim Hamm

    Homepage des Projekts

    Eine Uni – ein Buch: Zeit für Populismus? Würzburg hinterfragt populistische Inszenierungen
    Logo des Projekts "Zeit für Populismus? Würzburg hinterfragt populistische Inszenierungen

    Ist das populistisch, wenn Donald Trump verspricht, er werde Amerika wieder großartig machen? Und was ist davon zu halten, wenn der CDU-Generalsekretär Peter Tauber die Fraktion der Linken, Sahra Wagenknecht, und die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry "das doppelte Lottchen des Populismus in Deutschland" nennt? Mit diesen Fragen setzt sich das Projekt "Eine Uni – ein Buch. Zeit für Populismus?" an der Universität Würzburg im Jahr 2017 auseinander. Gegenstand der Diskussion ist Jan-Werner Müllers Essay "Was ist Populismus?".

    Projektleitung: Dr. Julien Bobineau, Dr. Christine Ott, Dr. Michael Storch

    → Facebook-Seite

    Europakrise, Sprache und Regionalität ‒ das 'parlanjhe de Vendàie'
    Logo des Département Vendée

    In dem Forschungsprojekt "Europakrise, Sprache und Regionalität ‒ das parlanjhe de Vendàie" wird die Frage nach der (regionalen) Identitätsausbildung innerhalb des Départements der Vendée in Westfrankreich aus soziolinguistischer wie literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive untersucht. Als gemeinsamer Ausgangspunkt wurde hierfür die Regionalsprache des sog. poitevin-saintogeais gewählt. Diese romanisch basierte Regionalsprache, deren geographische Verbreitung im Westen Frankreichs die Départements Vendée und Charente-Maritime, sowie zu großen Teilen Deux-Sèvres, Vienne und Charente umfasst, wird im Alltag der Sprecher nur als parlanjhe bezeichnet.
    Das Projekt wurde vom Wissenschaftszentrum Berlin gefördert.

    Projektleitung: Dr. Julien Bobineau, Robert Hesselbach

    Projektbericht
    Fernsehbericht von VendéeTV
    Artikel (https://bibliothek.wzb.eu/artikel/2018/f-21356.pdf)

    Tagungen

    DRV-Sommerschule "Beziehungsweise(n)" (10. bis 14. September 2018)
    Formen der Selbstthematisierung in der vormodernen Lyrik (bis 1650) (14. bis 17. März 2018)

    Dass die Selbstreferentialität, also die Eigenschaft der Literatur, auf Elemente ihrer selbst zu verweisen, nicht nur ein Phänomen der Moderne oder gar Postmoderne sei, vielmehr der Literatur schlechthin eigen: diese Erkenntnis setzt sich in den Literaturwissenschaften allmählich durch. Versuche, das Phänomen zu historisieren, hat es in den letzten beiden Jahrzehnten vorzugsweise auf dem Gebiet der erzählenden Literatur gegeben; namentlich descriptiones und andere Binnenerzählungen als Spiegelungen der erzählten Welt, Verdoppelungen von Handlungsschemata, paradigmatische Verknüpfungen und die Selbstreflexion in der nichterzählenden Rede eines Erzählers hat man als höchst produktive Varianten selbstreferentiellen Erzählens in den Volkssprachen beschrieben. Die Lyrik, insbesondere historische Formen der Lyrik, hat man unter diesem Aspekt bisher noch nicht systematisch in den Blick genommen. An diesem Punkt setzt unsere Tagung an. Ihr Ziel ist es, Altphilologen, anglistische, germanistische und romanistische Mediävisten und Frühneuzeitforscher zusammenzuführen, um Formen und Funktionen der Selbstthematisierung in der Lyrik in diachroner und synchroner Perspektive zu beschreiben und damit neue Impulse für die Erforschung selbstreferentieller Phänomene in der Literatur der Vormoderne zu geben. Ein solch historisierender und obendrein interdisziplinär-komparatistischer Ansatz ist bislang Desiderat.

    Veranstalter: Prof. Dr. Brigitte Burrichter mit dem Würzburger Kolleg "Mittelalter und Frühe Neuzeit"

    Programm der Tagung

    DRV-Sommerschule "Eigenheit und Fremdheit" (18. bis 22. September 2017)

    Welches Bild von Afrika zeichnen afrikanische Exil-Literaten in der zeitgenössischen Literatur? In welcher Form werden der Westen und das Leben als People of African Heritage in Europa und in den USA dargestellt? Und welche Rolle spielt die Auseinandersetzung mit der Kolonialvergangenheit?

    Mit diesen und weiteren Fragen hat sich eine interdisziplinäre Sommerschule beschäftigt, die an der JMU Würzburg stattfand und vom Deutschen Romanistenverband (DRV) gefördert wurde. Als ExpertInnen konnten u.a. Claudia Großmann (Mannheim), Susanne Gehrmann, Ineke Phaf-Rheinberger (beide Berlin), Susan Arndt (Bayreuth) sowie Heike Raphael-Hernandez und Zeno Ackermann (beide Würzburg) gewonnen werden. Im Rahmen des Kulturprogramms wurden Lesungen mit Sharon Dodua Otoo und Alain Mabanckou veranstaltet.

    Veranstalter: Dr. Julien Bobineau, Julius Goldmann, Gabriella-Maria Lambrecht, Jennifer Leetsch

    Homepage der Sommerschule

    Qualifikationsschriften

    Paola Ravasio: Black Costa Rica: Pluricentrical Belonging in Afra-Costa Rican Poetry (Dissertationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Brigitte Burrichter (Würzburg), PD Dr. Heike Raphael-Hernandez (Würzburg), Prof. Dr. Anja Bandau (Hannover)

    Black Costa Rica: Pluricentrical Belonging in Afra-Costa Rican Poetry engages the lyric of Eulalia Bernard (Limón, Costa Rica *1935), Shirley Campbell (San José, Costa Rica *1965), and Dlia McDonald (Colón, Panamá *1965) by a historically backwards-looking perspective that explores a pluricentrical sense of belonging. This concept refers mainly to plural centers of cultural and historical identifications along a (g)local sociohistorical continuum stretched across the multifold aspects of the nation~diaspora dynamic/s. The literary analysis traces the coming of age of the Afro-Costa Rican community in these women’s poetry as a local manifestation of global phenomena concerning Diaspora, the dialectics of Race and Nation, and processes of Assimilation and of Marginalization.

    The dissertation asks, fundamentally, how does their poetry reveal a historical imagination referring both to a national specificity while simultaneously expressing identification with socio-historical processes in the circum-Caribbean region? What are the poetic themes and which the lyrical forms that constitute a myriad of local and global aspects regarding the coming of age of the Afro-Costa Rican community?

    Departing from these premises, the dissertation tells a story of the past by addressing the ways in which the glocal is deployed through specific figures of speech. Based on the study of what I have termed a modernized-nature oxymoron in McDonald, a skin-history metonymy in Campbell, and code-switching in Bernard, spatial and racial configurations as well as linguistic identity are here addressed as features of a trifold historical imagination yielding pluricentrical belonging. The oxymoron tells of an outernational past (diasporic) while the metonymy declaims a supranational one (global); multilingualism instead points to an infranational historical imagination (‘non’-Costa Rican). By way of a close reading, the dissertation tells the recent story of the country’s past in the form of a three layered stor(y)ing of spatially-, meta-historically-, and multilingually-defined imaginings of Black Costa Rica.

    verteidigt

    Robert Hesselbach: Diaphasische Variation im Spanischen mit einem Ausblick auf das Französische – eine empirische Studie zur syntaktischen Komplexität funktionaler Stile (Dissertationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Waltraud Weidenbusch (Würzburg), Prof. Dr. Johannes Kabatek (Zürich), [Prof. Dr. Reinhard Kiesler (Würzburg)]

    Aufbauend auf den Ergebnissen einer früheren Studie, in der festgestellt werden konnte, dass im nähesprachlichen Spanisch zwar mehr einfache als komplexe Sätze, im Bereich der komplexen Sätze allerdings mehr hypotaktische als parataktische Satzkonstruktionen zu finden sind, wird in der vorliegenden, empirisch ausgerichteten Untersuchung der Fokus geweitet: Im Zentrum des Interesses steht die Frage nach dem generellen Zusammenhang von konzeptioneller Mündlichkeit/ Schriftlichkeit und dem Grad an syntaktischer Komplexität. Hierzu gibt es in der Forschung ganz unterschiedliche Positionen. Weit verbreitet ist die Annahme, dass Nähesprache eher zu einer "einfacheren" Satzkomplexität neige und distanzsprachliche Stile komplexe syntaktische Strukturen bevorzugten. Dabei rekurriert der Komplexitätsbegriff auf die qualitative Unter-scheidung von einfachem und komplexem Satz. Quantitative Aspekte werden meist nicht berücksichtigt.

    An diesem Punkt setzt das Forschungsprojekt an: Neben der qualitativen Bestimmung syntaktischer Komplexität für das moderne europäische Spanisch werden auf einer quantitativen Ebene verschiedene numerische Werte, die syntaktische Komplexität abbilden können, miteinander in Verbindung gesetzt. Die Kombination der Werte der Anzahl der finiten Verben einer Konstruktion, der Satzlänge (in graphischen Wörtern) sowie dem maximalen Grad der Einbettungstiefe erlaubt es, die Komplexität von syntaktischen Konstruktionen als Vektor zu fassen. Die Methode ermöglicht somit eine umfassende multifaktorielle Analyse, deren Ergebnisse in einer dreidimensionalen Darstellung münden und die bestehenden Unterschiede graphisch veranschaulicht.

    Das der Arbeit zugrundeliegende Korpus setzt sich aus Texten zusammen, die sich aufgrund ihrer konzeptionellen Reliefs an unterschiedlichen Positionen des Nähe/Distanz-Kontinuums ansiedeln lassen. Am Pol der kommunikativen Nähe wurden 3.000 Sätze des Val.Es.Co-Korpus analysiert, während am Pol der kommunikativen Distanz 3.000 Sätze aus wissenschaftlichen Texten (1.500) und Gesetzestexten (1.500) zur Analyse herangezogen wurden. Für die Mitte des Kontinuums wurden ebenfalls 3.000 Sätze aus Politikerinterviews (1.500) und Parlamentsreden (1.500) in Hinblick auf das Ausmaß ihrer Komplexität geprüft, so dass das Korpus für das Spanische insgesamt 9.000 Sätze umfasst. Um die gewonnenen Erkenntnisse zumindest ansatzweise mit dem Französischen zu vergleichen, wurde analog zum Teilkorpus der wissenschaftlichen Texte des Spanischen ein solches mit 1.500 Sätzen der französischen Wissenschaftssprache erstellt und untersucht.

    Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass bisherige Forschungspositionen differenzierter betrachtet werden müssen: So weist beispielsweise die Nähesprache durchaus bestimmte quantitative Komplexitätsgrade auf, gleichwohl distanzsprachlichere Stile Komplexität stärker ausnützen können. Auf einer qualitativen Ebene zeigt sich, dass stilübergreifend v. a. einfache syntaktische Konstruktionen dominieren, während die Multiple Homogene Parataxe, also die mehrfache Aneinanderreihung von Hauptsätzen, stilvergleichend nur sehr gering genutzt wird. Für den Sprachvergleich mit dem Französischen kann festgestellt werden, dass hierbei größere Übereinstimmung auf qualitativer wie quantitativer Ebene zu beobachten ist, als dies für den Vergleich der einzelnen Stile des Spanischen der Fall ist.

    verteidigt

    Julius Goldmann: Gaddas Mailand – Ein Beitrag zur Großstadtliteratur (Dissertationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Martha Kleinhans (Würzburg), Prof. Dr. Brigitte Burrichter (Würzburg), Prof. em. Dr. Richard Schwaderer (Kassel)

    Die vorliegende Untersuchung möchte zeigen, dass der italienische Prosaautor und Ingenieur Carlo Emilio Gadda sich in seinen frühen Schriften in viel größerem Umfang als bisher angenommen der Thematik der modernen Großstadt widmet. Hier soll eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Texten stattfinden, die einen Beitrag zum Verständnis von Gaddas Werk leisten können. Diese Arbeit kann sich dazu auf die in den letzten Jahren von der italienischen Forschung aufgearbeiteten Varianten und Manuskripttexte stützen. Bisher unbekannte Archivmaterialien wurden für diese Arbeit gesichtet und ausgewertet.

    Die Analyse zeichnet zunächst nach, welche Vorläufer und Vorlagen aus der französischen und italienischen Stadtliteratur Gaddas Texten zugrunde liegen. Neben dem Einfluss der Werke von Émile Zola erwiesen sich die Stadtautoren Louis-Sébastien Mercier und Paolo Valera als weitere prägende Vorbilder. Es konnte nachgezeichnet werden, welche gängigen Stadtthemen und Motive aus der Tradition Gadda übernimmt.

    Gadda arbeitet systematisch die hierarchisch geordneten Gesellschaftsschichten auf. Hier kann gezeigt werden, wie traditionell Gadda in seiner Darstellung der sozialen Milieus vorgeht. Auch er präsentiert dem Leser die Mailänder Gesellschaft über eine Reihe von klar zuordenbaren Motiven und Eigenschaften. Ihm gelingt damit ein literarischer Querschnitt durch die Sozialstruktur im Mailand zwischen den beiden Weltkriegen.

    Über die Tradition hinaus geht Gadda in seinen überaus präzisen Architekturbeschreibungen, die den Charakter seiner Stadttexte prägen. Das besondere architektonische Interesse Gaddas kennt in der italienischen Großstadtliteratur der Moderne keinen Vergleich. Wie sich zeigt, hat Gadda sich am Duktus der architekturkritischen Texte des Kunsthistorikers Roberto Longhi orientiert.

    Als besonders aufschlussreich erwies sich die Suche nach Gaddas Bildvorlagen. Für das Verfassen seiner Texte benötigt Gadda in seinem Frühwerk stets faktuale Vorlagen. Neue Quellenfunde belegen, dass Gadda Zeitungswerbung als direkte Zitate in seine Mailand-Darstellungen übernommen, kommentiert und sehr frei ergänzt hat. Er leitet einige seiner literarischen Beschreibungsstrategien aus der Kinotechnik ab. Die Identifizierung bedeutsamer Referenzen auf die Malerei vermag seine schriftstellerische Entwicklung nachzuzeichnen. Ein weiterer neuer Befund stellt seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Werk der Mailänder Karikaturisten Giuseppe Scalarini und Giuseppe Novello dar. Deren bildkünstlerisches Vorgehen überführt Gadda in seine literarische Darstellung. Seine Quellenverwendung geht weit über das bloße Zitieren hinaus, denn die Referenzen werden stets um fiktive Szenen ergänzt und zu eigenen Sprachkunstwerken umgeformt. Aus der Fülle dieser Bildreferenzen mit konkretem Mailand-Bezug erschafft Gadda seine eindrucksvollen Stadt-Collagen, die seine frühen Texte zu einem wichtigen Beitrag zur modernen Großstadtliteratur machen.

    Goldmann, Julius: Gaddas Mailand. Heidelberg: Winter 2018

    Publikationen

    promptus – Würzburger Beiträge zur Romanistik

    Die Zeitschrift "promptus – Würzburger Beiträge zur Romanistik" richtet sich an alle NachwuchswissenschaftlerInnen im Bereich der romanistischen Sprach- und Literaturwissenschaft sowie der Fachdidaktik. Das Ziel der Zeitschrift ist die Förderung der romanistischen Forschung im Allgemeinen und des wissenschaftlichen Nachwuchses der Romanistik im Besonderen. Sie versteht sich damit als Impulsgeber für junge romanistische Forschung, ohne sich dabei thematisch zu beschränken.

    Aktueller Band:

    Bobineau, Julien/Callsen, Berit/Gold, Martina/Goldmann, Julius/Hesselbach, Robert/Hornung, Christoph/Meisnitzer, Benjamin/Ravasio, Paola (Hg.): promptus – Würzburger Beiträge zur Romanistik 3. Würzburg: Verlag des Promptus e. V. 2018

    Bisherige Bände:

    Band 1, Band 2

    Julius Goldmann: Gaddas Mailand – Ein Beitrag zur Großstadtliteratur

    Die vorliegende Untersuchung möchte zeigen, dass der italienische Prosaautor und Ingenieur Carlo Emilio Gadda sich in seinen frühen Schriften in viel größerem Umfang als bisher angenommen der Thematik der modernen Großstadt widmet. Hier soll eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Texten stattfinden, die einen Beitrag zum Verständnis von Gaddas Werk leisten können. Diese Arbeit kann sich dazu auf die in den letzten Jahren von der italienischen Forschung aufgearbeiteten Varianten und Manuskripttexte stützen. Bisher unbekannte Archivmaterialien wurden für diese Arbeit gesichtet und ausgewertet.

    Die Analyse zeichnet zunächst nach, welche Vorläufer und Vorlagen aus der französischen und italienischen Stadtliteratur Gaddas Texten zugrunde liegen. Neben dem Einfluss der Werke von Émile Zola erwiesen sich die Stadtautoren Louis-Sébastien Mercier und Paolo Valera als weitere prägende Vorbilder. Es konnte nachgezeichnet werden, welche gängigen Stadtthemen und Motive aus der Tradition Gadda übernimmt.

    Gadda arbeitet systematisch die hierarchisch geordneten Gesellschaftsschichten auf. Hier kann gezeigt werden, wie traditionell Gadda in seiner Darstellung der sozialen Milieus vorgeht. Auch er präsentiert dem Leser die Mailänder Gesellschaft über eine Reihe von klar zuordenbaren Motiven und Eigenschaften. Ihm gelingt damit ein literarischer Querschnitt durch die Sozialstruktur im Mailand zwischen den beiden Weltkriegen.

    Über die Tradition hinaus geht Gadda in seinen überaus präzisen Architekturbeschreibungen, die den Charakter seiner Stadttexte prägen. Das besondere architektonische Interesse Gaddas kennt in der italienischen Großstadtliteratur der Moderne keinen Vergleich. Wie sich zeigt, hat Gadda sich am Duktus der architekturkritischen Texte des Kunsthistorikers Roberto Longhi orientiert.

    Als besonders aufschlussreich erwies sich die Suche nach Gaddas Bildvorlagen. Für das Verfassen seiner Texte benötigt Gadda in seinem Frühwerk stets faktuale Vorlagen. Neue Quellenfunde belegen, dass Gadda Zeitungswerbung als direkte Zitate in seine Mailand-Darstellungen übernommen, kommentiert und sehr frei ergänzt hat. Er leitet einige seiner literarischen Beschreibungsstrategien aus der Kinotechnik ab. Die Identifizierung bedeutsamer Referenzen auf die Malerei vermag seine schriftstellerische Entwicklung nachzuzeichnen. Ein weiterer neuer Befund stellt seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Werk der Mailänder Karikaturisten Giuseppe Scalarini und Giuseppe Novello dar. Deren bildkünstlerisches Vorgehen überführt Gadda in seine literarische Darstellung. Seine Quellenverwendung geht weit über das bloße Zitieren hinaus, denn die Referenzen werden stets um fiktive Szenen ergänzt und zu eigenen Sprachkunstwerken umgeformt. Aus der Fülle dieser Bildreferenzen mit konkretem Mailand-Bezug erschafft Gadda seine eindrucksvollen Stadt-Collagen, die seine frühen Texte zu einem wichtigen Beitrag zur modernen Großstadtliteratur machen.

    Goldmann, Julius: Gaddas Mailand. Heidelberg: Winter 2018

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    Brigitte Burrichter, Christian Wehr: Exzess. Formen der Grenzüberschreitung in der Vormoderne

    Während der Begriff Exzess heute ganz überwiegend negativ gefasst ist – als Bedrohung, Transgression oder Zerstörung sozio-kultureller Ordnungsgefüge und individueller Existenzen –, unternimmt der Literatur-, Kultur- und Religionsgeschichte verbindende Band den Versuch, den Exzess als Kippfigur zu beschreiben: als Phänomen zwischen Ordnung und Unordnung, Subversion und Affirmation, Kontrollverlust und Disziplinierung. Dabei wird gefragt, was in vormodernen Gesellschaften wann und wie zum Exzess wird, wo er gestattet ist und wo nicht und wie der Versuch, einen Exzess einzuhegen, wieder in einen Exzess umschlägt; gefragt wird aber auch nach der kommunikativen Leistung von Kunst und Literatur, welche die verschiedenen Formen des Exzesses wahrnehmen und darstellen. Die Beiträge verhandeln diese Fragen anhand ausgewählter Themenfelder, mit denen zugleich verschiedene Formen der Exzessivität in den Blick genommen werden: Archaik und Wildheit, mystischer Selbstverlust, affektische Exzesse wie Liebe, Trauer und Zorn, Exzesse des Leibes und der Moral und schließlich Exzesse der Form.

    Burrichter, Brigitte/Wehr, Christian (Hg.): Exzess. Formen der Grenzüberschreitung in der Vormoderne. Würzburg: Königshausen und Neumann 2017

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