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    Romanistik

    Qualifikationsschriften

    Abgeschlossene Qualifikationsverfahren

    Paola Ravasio: Black Costa Rica: Pluricentrical Belonging in Afra-Costa Rican Poetry (Dissertationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Brigitte Burrichter (Würzburg), PD Dr. Heike Raphael-Hernandez (Würzburg), Prof. Dr. Anja Bandau (Hannover)

    Black Costa Rica: Pluricentrical Belonging in Afra-Costa Rican Poetry engages the lyric of Eulalia Bernard (Limón, Costa Rica *1935), Shirley Campbell (San José, Costa Rica *1965), and Dlia McDonald (Colón, Panamá *1965) by a historically backwards-looking perspective that explores a pluricentrical sense of belonging. This concept refers mainly to plural centers of cultural and historical identifications along a (g)local sociohistorical continuum stretched across the multifold aspects of the nation~diaspora dynamic/s. The literary analysis traces the coming of age of the Afro-Costa Rican community in these women’s poetry as a local manifestation of global phenomena concerning Diaspora, the dialectics of Race and Nation, and processes of Assimilation and of Marginalization.

    The dissertation asks, fundamentally, how does their poetry reveal a historical imagination referring both to a national specificity while simultaneously expressing identification with socio-historical processes in the circum-Caribbean region? What are the poetic themes and which the lyrical forms that constitute a myriad of local and global aspects regarding the coming of age of the Afro-Costa Rican community?

    Departing from these premises, the dissertation tells a story of the past by addressing the ways in which the glocal is deployed through specific figures of speech. Based on the study of what I have termed a modernized-nature oxymoron in McDonald, a skin-history metonymy in Campbell, and code-switching in Bernard, spatial and racial configurations as well as linguistic identity are here addressed as features of a trifold historical imagination yielding pluricentrical belonging. The oxymoron tells of an outernational past (diasporic) while the metonymy declaims a supranational one (global); multilingualism instead points to an infranational historical imagination (‘non’-Costa Rican). By way of a close reading, the dissertation tells the recent story of the country’s past in the form of a three layered stor(y)ing of spatially-, meta-historically-, and multilingually-defined imaginings of Black Costa Rica.

    verteidigt

    Robert Hesselbach: Diaphasische Variation im Spanischen mit einem Ausblick auf das Französische – eine empirische Studie zur syntaktischen Komplexität funktionaler Stile (Dissertationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Waltraud Weidenbusch (Würzburg), Prof. Dr. Johannes Kabatek (Zürich), [Prof. Dr. Reinhard Kiesler (Würzburg)]

    Aufbauend auf den Ergebnissen einer früheren Studie, in der festgestellt werden konnte, dass im nähesprachlichen Spanisch zwar mehr einfache als komplexe Sätze, im Bereich der komplexen Sätze allerdings mehr hypotaktische als parataktische Satzkonstruktionen zu finden sind, wird in der vorliegenden, empirisch ausgerichteten Untersuchung der Fokus geweitet: Im Zentrum des Interesses steht die Frage nach dem generellen Zusammenhang von konzeptioneller Mündlichkeit/ Schriftlichkeit und dem Grad an syntaktischer Komplexität. Hierzu gibt es in der Forschung ganz unterschiedliche Positionen. Weit verbreitet ist die Annahme, dass Nähesprache eher zu einer "einfacheren" Satzkomplexität neige und distanzsprachliche Stile komplexe syntaktische Strukturen bevorzugten. Dabei rekurriert der Komplexitätsbegriff auf die qualitative Unter-scheidung von einfachem und komplexem Satz. Quantitative Aspekte werden meist nicht berücksichtigt.

    An diesem Punkt setzt das Forschungsprojekt an: Neben der qualitativen Bestimmung syntaktischer Komplexität für das moderne europäische Spanisch werden auf einer quantitativen Ebene verschiedene numerische Werte, die syntaktische Komplexität abbilden können, miteinander in Verbindung gesetzt. Die Kombination der Werte der Anzahl der finiten Verben einer Konstruktion, der Satzlänge (in graphischen Wörtern) sowie dem maximalen Grad der Einbettungstiefe erlaubt es, die Komplexität von syntaktischen Konstruktionen als Vektor zu fassen. Die Methode ermöglicht somit eine umfassende multifaktorielle Analyse, deren Ergebnisse in einer dreidimensionalen Darstellung münden und die bestehenden Unterschiede graphisch veranschaulicht.

    Das der Arbeit zugrundeliegende Korpus setzt sich aus Texten zusammen, die sich aufgrund ihrer konzeptionellen Reliefs an unterschiedlichen Positionen des Nähe/Distanz-Kontinuums ansiedeln lassen. Am Pol der kommunikativen Nähe wurden 3.000 Sätze des Val.Es.Co-Korpus analysiert, während am Pol der kommunikativen Distanz 3.000 Sätze aus wissenschaftlichen Texten (1.500) und Gesetzestexten (1.500) zur Analyse herangezogen wurden. Für die Mitte des Kontinuums wurden ebenfalls 3.000 Sätze aus Politikerinterviews (1.500) und Parlamentsreden (1.500) in Hinblick auf das Ausmaß ihrer Komplexität geprüft, so dass das Korpus für das Spanische insgesamt 9.000 Sätze umfasst. Um die gewonnenen Erkenntnisse zumindest ansatzweise mit dem Französischen zu vergleichen, wurde analog zum Teilkorpus der wissenschaftlichen Texte des Spanischen ein solches mit 1.500 Sätzen der französischen Wissenschaftssprache erstellt und untersucht.

    Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass bisherige Forschungspositionen differenzierter betrachtet werden müssen: So weist beispielsweise die Nähesprache durchaus bestimmte quantitative Komplexitätsgrade auf, gleichwohl distanzsprachlichere Stile Komplexität stärker ausnützen können. Auf einer qualitativen Ebene zeigt sich, dass stilübergreifend v. a. einfache syntaktische Konstruktionen dominieren, während die Multiple Homogene Parataxe, also die mehrfache Aneinanderreihung von Hauptsätzen, stilvergleichend nur sehr gering genutzt wird. Für den Sprachvergleich mit dem Französischen kann festgestellt werden, dass hierbei größere Übereinstimmung auf qualitativer wie quantitativer Ebene zu beobachten ist, als dies für den Vergleich der einzelnen Stile des Spanischen der Fall ist.

    verteidigt

    Julius Goldmann: Gaddas Mailand – Ein Beitrag zur Großstadtliteratur (Dissertationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Martha Kleinhans (Würzburg), Prof. Dr. Brigitte Burrichter (Würzburg), Prof. em. Dr. Richard Schwaderer (Kassel)

    Die vorliegende Untersuchung möchte zeigen, dass der italienische Prosaautor und Ingenieur Carlo Emilio Gadda sich in seinen frühen Schriften in viel größerem Umfang als bisher angenommen der Thematik der modernen Großstadt widmet. Hier soll eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Texten stattfinden, die einen Beitrag zum Verständnis von Gaddas Werk leisten können. Diese Arbeit kann sich dazu auf die in den letzten Jahren von der italienischen Forschung aufgearbeiteten Varianten und Manuskripttexte stützen. Bisher unbekannte Archivmaterialien wurden für diese Arbeit gesichtet und ausgewertet.

    Die Analyse zeichnet zunächst nach, welche Vorläufer und Vorlagen aus der französischen und italienischen Stadtliteratur Gaddas Texten zugrunde liegen. Neben dem Einfluss der Werke von Émile Zola erwiesen sich die Stadtautoren Louis-Sébastien Mercier und Paolo Valera als weitere prägende Vorbilder. Es konnte nachgezeichnet werden, welche gängigen Stadtthemen und Motive aus der Tradition Gadda übernimmt.

    Gadda arbeitet systematisch die hierarchisch geordneten Gesellschaftsschichten auf. Hier kann gezeigt werden, wie traditionell Gadda in seiner Darstellung der sozialen Milieus vorgeht. Auch er präsentiert dem Leser die Mailänder Gesellschaft über eine Reihe von klar zuordenbaren Motiven und Eigenschaften. Ihm gelingt damit ein literarischer Querschnitt durch die Sozialstruktur im Mailand zwischen den beiden Weltkriegen.

    Über die Tradition hinaus geht Gadda in seinen überaus präzisen Architekturbeschreibungen, die den Charakter seiner Stadttexte prägen. Das besondere architektonische Interesse Gaddas kennt in der italienischen Großstadtliteratur der Moderne keinen Vergleich. Wie sich zeigt, hat Gadda sich am Duktus der architekturkritischen Texte des Kunsthistorikers Roberto Longhi orientiert.

    Als besonders aufschlussreich erwies sich die Suche nach Gaddas Bildvorlagen. Für das Verfassen seiner Texte benötigt Gadda in seinem Frühwerk stets faktuale Vorlagen. Neue Quellenfunde belegen, dass Gadda Zeitungswerbung als direkte Zitate in seine Mailand-Darstellungen übernommen, kommentiert und sehr frei ergänzt hat. Er leitet einige seiner literarischen Beschreibungsstrategien aus der Kinotechnik ab. Die Identifizierung bedeutsamer Referenzen auf die Malerei vermag seine schriftstellerische Entwicklung nachzuzeichnen. Ein weiterer neuer Befund stellt seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Werk der Mailänder Karikaturisten Giuseppe Scalarini und Giuseppe Novello dar. Deren bildkünstlerisches Vorgehen überführt Gadda in seine literarische Darstellung. Seine Quellenverwendung geht weit über das bloße Zitieren hinaus, denn die Referenzen werden stets um fiktive Szenen ergänzt und zu eigenen Sprachkunstwerken umgeformt. Aus der Fülle dieser Bildreferenzen mit konkretem Mailand-Bezug erschafft Gadda seine eindrucksvollen Stadt-Collagen, die seine frühen Texte zu einem wichtigen Beitrag zur modernen Großstadtliteratur machen.

    Goldmann, Julius: Gaddas Mailand. Heidelberg: Winter 2018

    Julien Bobineau: Kolonialdiskurse im Vergleich. Die Repräsentation von Patrice Lumumba in der kongolesischen Lyrik und im belgischen Drama (Dissertationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Brigitte Burrichter (Würzburg), Prof. Dr. Susanne Gehrmann (HU Berlin), PD Dr. Irmgard Scharold (Münster)

    In der vorliegenden Arbeit werden Kolonialdiskurse aus Belgien und der Demokratischen Republik Kongo vergleichend analysiert und mit der literarischen Repräsentation von Patrice Lumumba (1925-1961) in Bezug gebracht. Lumumba gilt als Vorkämpfer der kongolesischen Unabhängigkeit von der damaligen Kolonialmacht Belgien, wurde 1960 zum ersten Ministerpräsidenten des unabhängigen Kongo gewählt und 1961 unter Mitwirkung belgischer Geheimpolizisten in Katanga ermordet. Der erste Teil der wissenschaftlichen Studie fokussiert sich auf eine diachrone Untersuchung diskursiver Hervorbringungen in Belgien und im Kongo von 1870 bis heute, die den Kolonialismus und seine Auswirkungen thematisieren. Dabei ist festzustellen, dass der belgische Kolonialdiskurs insbesondere in Bezug auf die Ermordung Patrice Lumumbas durch eine geschichtsverklärende Haltung der politischen Autoritäten gekennzeichnet ist, während sich gesellschaftliche Kräfte, Publizisten, Künstler und Wissenschaftler in Belgien seit den 2000er Jahren für eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Kolonialgeschichte einsetzen. In der DR Kongo ist hingegen nach der Kolonisation und nach der autokratischen Herrschaft von Joseph-Désiré Mobutu von 1965 bis 1997 eine langanhaltende 'Stimmlosigkeit' (Gayatri Spivak) kongolesischer Akteure innerhalb des Kolonialdiskurses zu beobachten, die in Anlehnung an Vertreter der postkolonialen Theorie u.a. als Zeichen einer noch immer dichotomisch eingeteilten, (neo)kolonialen Weltordnung zu werten ist.

    Der zweite Teil dieser Arbeit befasst sich mit der literarischen Repräsentation von Patrice Lumumba im belgischen Drama (zwei Dramen, 1999 und 2007) und in der kongolesischen Lyrik (13 Gedichte, 1961-2007) in französischer Sprache vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Kolonialdiskursanalyse und orientiert sich am AT9-Test von Yves Durand und François Guiyoba. Dabei lassen sich innerhalb der 13 kongolesischen Korpustexte deutliche Tendenzen einer Heroisierung Lumumbas erkennen, die durch das Wesen der als Geschichtslyrik klassifizierten Texte zu einer literarischen 'Stimmergreifung' innerhalb des Kolonialdiskurses beitragen. Die zwei untersuchten belgischen Dramen, die als Geschichtsdramen identifiziert werden, sind ebenfalls durch eine Heldendarstellung Lumumbas markiert und wenden sich inhaltlich gegen die z.T. verklärende Ausrichtung des Kolonialdiskurses in Belgien. Das gesamte Textkorpus kann somit unter die Gattung der postkolonialen Literaturen gefasst werden, die sich durch das Konzept des writing back und somit durch eine Perspektivenerweiterung, eine Neuinterpretation historischer Ereignisse und eine beabsichtigte Dekonstruktion dominierender Kolonialdiskurse auszeichnen.

    verteidigt

    Winfried Leipold: Der deutsch-französische Krieg von 1870/71. Die Konfrontation zweier Kulturen im Spiegelbild von Zeitzeugen und Zeitzeugnissen (Dissertationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Brigitte Burrichter (Würzburg)

    Der Fokus dieser Studie liegt auf dem punktuellen Ausleuchten themenrelevanter Aspekte des deutsch-französischen Krieges von 1870/71. Somit ist die Einhaltung einer chronologischen Abfolge der Kriegsgenese, wie sie gängigen Publikationen zu eigen ist, nicht gegeben. Es sollen vielmehr der Einfluss und die Bedeutung jener kulturell-mentaler und soziomorpher Prozesse recherchiert werden, die sich auf den Fortgang »dieses von vornherein verlorenen Krieges« (»une guerre perdue d’avance«) beziehen und welche in der traditionellen Kriegsliteratur kaum gewichtet bzw. nur marginal gestreift werden. Die Arbeit wird dokumentiert durch eine Vielzahl von Quellen aus der Feder zeitgenössischer Kriegsteilnehmer, Historiker, Politiker und Literaten, von Theodor Fontane bis Léon Gambetta, von Baron de la Belle-Croix bis Napoleon III., von Hans v. Kretschman bis Alfred Duquet, von Karl Tanera bis General Chancy. Zudem konnten in die Arbeit zusätzlich Analysen und Erkenntnisse gegenwärtiger Historiker und Militärs mit einbezogen werden, welche, unisono und in aller Offenheit, die eigentlichen Gründe der französischen Niederlage von 1870/71 darlegen. Des Weiteren wird sichtbar, weshalb die französische Nation nicht fähig und willens war, vom Elfenbeinturm ihrer Selbstüberschätzung in die Niederungen der Realität hinabzusteigen. Hier seien Autoren wie Audouin-Rouzeau, Henninger, Battesti, Frèrejean, David, Guelton, Serman, Bernède oder Dreyfus genannt. Letztendlich runden Besuche des Verfassers an den Kriegsschauplätzen sowie Gespräche mit Menschen aus der Region das Bild des Kriegsgeschehens ab, wobei deren Rekurs auf tradierte Erinnerungen an diesen nahezu 150 Jahre zurückliegenden Krieg in Erstaunen versetzt. Neben der Gliederung in Kapitel ist diese Arbeit in 4 übergeordnete Themengebiete eingeteilt: Der erste, größte Teil (Kapitel 1–22) behandelt das Kriegsgeschehen im Allgemeinen, während sich der zweite Teil (Kapitel 23–24) explizit der Rolle der zeitgenössischen Medien und der dritte Teil (Kapitel 25–27) der Resonanz des Kriegs in der zeitgenössischen Literatur widmen. Der vierte Teil ist als separater Abbildungsteil konzipiert, der die vorherigen Teile ergänzt.

    Leipold, Winfried: Der deutsch-französische Krieg von 1870/71. Die Konfrontation zweier Kulturen im Spiegelbild von Zeitzeugen und Zeitzeugnissen. - Würzburg, Univ., Diss., 2015. - [online]. nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:20-opus-125434

    Erik Hüneburg: Nietzsche und die Spanische Literatur der Moderne (Dissertationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Gerhard Penzkofer (Würzburg), Prof. Dr. Ralph Pordzik (Würzburg), Prof. Dr. Karl-Heinz Lembeck (Würzburg)

    Der Einfluss Friedrich Nietzsches auf die philosophische, künstlerische wie literarische Entwicklung des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts ist enorm. Nietzsches Konzepte des Übermenschen, der ewigen Wiederkunft des Gleichen, die Dichotomie Apollinisch-Dionysisch, die Proklamation vom Tod Gottes u. a. hinterließen ihre Spuren in der Literatur der 98er, 14er und 27er-Generationen – kurzum: in der spanischen Moderne.

    Die Dissertation versucht Nietzsches Einfluss nachzuvollziehen, indem sie (1) die Bedingungen erörtert, unter denen der Philosoph in Spanien rezipiert wurde, (2) die für die Textarbeit relevanten philosophischen und ästhetischen Konstrukte Nietzsches darstellt und (3) in der eigentlichen Textanalyse das literarische Material auf die zuvor skizzierten Theorien Nietzsches hin untersucht. Angesichts der radikalen Offenheit des Œuvres Nietzsches muss auch analysiert werden, welche geistige Grundhaltung der jeweiligen Rezeption zugrunde liegt – eine europäische oder nationalistische, eine freigeistige oder antisemitische? Abgerundet wird die Arbeit durch narrative Analysen und Darstellungen der historischen und künstlerischen Entwicklungen jener Zeit, die Eingang in das literarische Textmaterial gefunden haben.

    Hüneburg, Erik: Nietzsche und die Spanische Literatur der Moderne. - Würzburg, Univ., Diss. 2015 - [online]. nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:20-opus-115085

    Aaron Deppisch: Die Religion in den Werken von Jean Bodin und Michel de Montaigne. Ein Vergleich (Dissertationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Brigitte Burrichter (Würzburg), Prof. Dr. Martha Kleinhans (Würzburg), PD Dr. Michael Becker (Würzburg)

    Das Leben der beiden Autoren Jean Bodin und Michel de Montaigne wurde von den blutigen Auseinandersetzungen der französischen Religionskriege geprägt. Aus diesem Grund besitzt die Religon in ihren Werken eine herausgehobene Stellung. In "Les six livres de la République" von Jean Bodin gründet dieser sein Prinzip der Souveränität auf die Religion. Diese gibt also die Grundregeln des menschlichen Zusammenlebens vor. In seinem Religionsgespräch "Colloqium Heptaplomeres" vertieft Bodin diese Gedanken und entwickelt ein Toleranzkonzept, das die Möglichkeit des Zusammenlebens verschiedener Religionen in einem Staat vorsieht. Die Religion ist bei Jean Bodin also vor allem ein Instrument, um die Gesellschaft zu organisieren. Michel de Montaigne betrachtet in seinen "Essais" die Religion weit kritischer. Für ihn ist sie eine Instanz, die die Menschen trennt anstatt sie zu vereinen. Er warnt vor ihren zerstörerischen Folgen. Gleichwohl entwickelt Montaigne ein Toleranzkonzept, das auf seiner Grundüberzeugung der Gewaltfreiheit beruht. Es zeigt sich, dass beide Autoren die Religion und ihre Nützlichkeit für die Gesellschaft unter verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

    Deppisch, Aaron: Die Religion in den Werken von Jean Bodin und Michel de Montaigne. Ein Vergleich. - Würzburg, Univ., Diss., 2015. - [online]. nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:20-opus-120412

    Barbara Ventarola: Transkategoriale Philologie – Liminales und poly-systematisches Denken bei Gottfried Wilhelm Leibniz und Marcel Proust (Habilitationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Brigitte Burrichter (Würzburg)

    Die vorliegende Studie entwirft die Konturen einer neuen Philologie, die es erlaubt, in bislang noch nicht dagewesener Weise der Komplexität und den pluralen, multi-dimensionalen Beziehungsgeflechten von Texten systematisch Rechnung zu tragen, ohne an analytischer Präzision und Differenziertheit zu verlieren – und dies in einer kultur- und geschichtsübergreifenden Perspektive. Auf der Basis einer umfassenden Kritik am klassischen Kategorienbegriff wird im ersten Teil ein grundsätzlich neues – transkategoriales und poly-systematisches – Textualitätskonzept entwickelt und durch einen Katalog konkreter neuer Interpretationsverfahren ergänzt. Damit sind die Fundamente für eine nicht-eurozentristische Literaturwissenschaft der Zukunft gelegt, die weit über bisherige Liminalitäts- und Poly-System-Theorien hinausgeht: Komplexität und Ordnung, Universalismus und Pluralismus werden auf neue Weise verbunden. Der zweite Teil demonstriert die Leistungsfähigkeit des neuen Modells. Er konzentriert sich auf zwei Autoren, die als besonders dunkel und komplex gelten: Gottfried Wilhelm Leibniz und Marcel Proust. Mit den neuen Interpretationsverfahren eröffnen sich völlig neue Einsichten in die behandelten Werke und Autoren: Leibniz gibt sich als ein besonders früher Denker des Liminalen und der Poly-Systematizität zu erkennen, der zudem entscheidend auf Prousts ästhetisches Projekt der Recherche eingewirkt hat. Damit lädt die Studie zu einer Re-Kartierung der Denk- und Literaturgeschichte ein, die gleichsam im Inneren Europas selbst ansetzt. Das nicht-eurozentristische, pluralistische Denken lässt sich nun bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen, was es auch nötig macht, die nachfolgenden Jahrhunderte unter diesem Blickwinkel neu zu erforschen.

    Ventarola, Barbara: Transkategoriale Philologie – Liminales und poly-systematisches Denken bei Gottfried Wilhelm Leibniz und Marcel Proust. Berlin: Erich Schmidt Verlag 2015.

    Laufende Qualifikationsverfahren

    Gabriella-Maria Lambrecht: Die Darstellung des peruanischen Bürgerkriegs (1537-1554) in den spanischen Chroniken des 16. und 17. Jahrhunderts (Dissertationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Gerhard Penzkofer (Würzburg), PD Dr. Irmgard Scharold (Münster), Prof. Dr. Christian Wehr (Würzburg)

    Diese Dissertation beschäftigt sich mit der Kolonialliteratur Lateinamerikas, also mit den Chroniken und Schriften des 16. und 17. Jahrhunderts, der sogenannten historiografía indiana. Mein Textkorpus betrifft die Eroberung Perus. Es setzt sich wie folgt zusammen:

    - Pedro de Cieza de León: La crónica del Perú (1540-1550) - Agustín de Zárate: Historia del Descubrimiento y Conquista del Perú (1555) - Diego Fernández, el Palentino: Historia del Perú (1571) - Pedro Pizarro: Relación del descubrimiento y conquista de los reinos del Perú (1571) - Garcilaso de la Vega: Comentarios reales de los Incas (1609) - Guaman Poma de Ayala: El primer nueva corónica y buen gobierno. (1615/1616) - Martín de Murúa: Historia del Pirú (1616)

    Die Eroberung Perus unterscheidet sich von anderen Eroberungen insbesondere durch die brutalen und langandauernden Bürgerkriege. Bereits vor der Eroberung Perus fanden kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Angehörigen verschiedener Linien des Inkageschlechts statt, nämlich jener Inka Huáscars und seinem unehelichen Halbruder Inka Atahualpa. Jedoch erlangte der bereits vorherrschende Bruderkrieg durch die Eroberung eine neue Dimension: Es kam zu intensiven kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den erobernden Spaniern, in erster Linie repräsentiert durch die Familie der Pizarros auf der einen, sowie die Anhänger Diego Almagros auf der anderen den Seite. Beide Erobererparteien kämpften also nicht nur gegen die Indigenen, sondern sie bekämpften sich gegenseitig und lösten damit einen Jahrzehnte lang andauernden Bürgerkrieg in Peru aus.

    Dieser bislang aus literaturwissenschaftlicher Sicht kaum erforschte Bürgerkrieg ist Gegenstand meiner Arbeit. Im Zentrum steht die Untersuchung der narratologischen Perspektivierung dieser Gewaltakte in den Chroniken des 16. bzw. 17. Jahrhunderts, darüber hinaus auch die damit verbundene Rhetorik der Sympathielenkung für eine der Parteien und die Analyse der Darstellung des Eigenen und des Fremden im Gewaltkontext. Bezugsliteratur hierfür ist Tzvetan Todorovs Die Eroberung Amerikas: Das Problem des Anderen (1985).

    Wesentlich ist diese Untersuchung deshalb, weil ethnische Verbindungen in Peru im Kontext von Gewalt und Terror – unüblich für Bürgerkriege – weniger relevant sind, um die eigene Identität zu definieren sowie sich vom Anderen zu differenzieren; viel relevanter ist der Aspekt der vorteilshaften Koalitionsbildung und trotz allem die moralische Überlegenheit gegenüber dem als „anders“ Empfundenen, die im Zweifel durch die Verleugnung und Nicht-Anerkennung der eigenen Gewalt in den Texten manifestiert wird.

    Die Arbeit wird wie folgt aufgebaut: In einem ersten Schritt soll definiert werden, was Bürgerkrieg zu jener Zeit bedeutet, daraufhin wird die Lesart der Chroniken als nicht rein faktuale sondern auch fiktionale Texte erläutert und meine Untersuchungsmethodik geklärt. Im Hauptteil meiner Arbeit wird das Korpus an Chroniken und Schriften untersucht, wobei neben der Darstellung der Gewalt auch den Aspekten der Verknüpfung von Gewalt und Religion sowie Gewalt und Ökonomie Rechnung getragen werden soll.

    Valerie Kiendl: Theatrale Spiele bei Pedro Almodóvar (Dissertationsschrift)

    Betreuung:

    Prof. Dr. Christian Wehr (Würzburg), Prof. Dr. Horst Weich (München), Prof. Dr. Gerhard Penzkofer (Würzburg)

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    Romanistik
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